MORCHEEBA AM 21.07.2005 BEIM LIVE AT SUNSET

Die Ausnahme bestätigt die Regel

Bei vielen Bands geht es nur schon bergab, wenn ein Gitarrist ausgetauscht wird. Der totale Untergang ist aber mit Bestimmtheit eine neue Stimme an der Front, Beispiele gibt es zuhauf in der weiten Welt der Bandgeschichten. Nicht jedoch bei der englischen Trip-Hop Fraktion, schon bei Archive hatte man Craig Walker ohne ersichtliche Nachwehen kurzerhand durch Dave Penney ersetzt, und jetzt sind die bereits schon mal aufgelösten Morcheeba mit der neuen Sängerin Daisy Martey zurück...


Ich war ja echt gespannt auf diesen Abend. Einerseits sei die Location und das Ambiente des Live at Sunset, im Innenhof des Landesmuseum, sehr speziell. Andererseits der im Header angesprochene Wechsel bei den der Frontrau. Skye Edwards war schon einen eigenwillige Persönlichkeit die mit ihren Auftritten den Bann der Zuschauer auf sich ziehen vermochte. Dazu kam, dass ihre engelhafte Simme perfekt zum Soundgewand Morcheebas passte.

Das Ambiente war tatsächlich grandios, die Leute gut drauf, entspannt, ähnlich wie am Jazz Festival in Montreux. keine Hektik, wunderbar...
Was mich davon abhielt, bereits in der Vergangenheit das Live at Sunset zu besuchen, sind sicherlich die respektablen Preise. Ich hatte in dieser komplett bestuhlten Arena einen sensationellen Platz bekommen, wohl einer der besten (Tribüne, Mitte, ganz oben - Danke), zu erwerben für rund 130.- Franken. Aber für diese Atmosphäre und diesen eigentlich kleinen exklusivne Kreis an Leuten, die hier dabei sein dürfen, darf’s schon etwas mehr kosten.

Live at Sunset blieb aber offenbar auch Morcheeba in allzu guter Erinnerung (Morcheeba war 2003 auch schon am Start), so bedankte sich Ross Godfrey gleich zu Beginn des Sets und kam direkt ins Schwärmen. und ins Schwärmen kamen anschliessend die Zuhörer. Morcheeba gehören wohl zu jenen wenigen Bands, die fast gänzlich ohne grosse Hits und einem absolut zeitlosen Sound eine riesige Fangemeinde aufbauen konnten. Die wiederspiegelte sich beim Publikum, von Jung bis Alt, vom gestylten Banker bis zum Hippie, alles sass da und sang mit. Und dabei horchte man Daisy Martey kritisch, alles war gespannt. Die Setlist war gut gemischt, Schwerpunkt war klar das neue Album The Antidote, jedoch sehr bunt gemischt mit Songs aus allen Alben. Daisy fügte sich mit ihrer Stimme, die mich stets an Shirley Bassey erinnert, nahtlos in den Sound ein. Nebst den vielen Lobeshymnen, war aber eine Enttäuschung riesengross, wie schon in Montreux 2003 fehlte auch an diesem Abend Paul Godfrey an den Decks. Der Virtuose an den Plattenspielern, der fünfte Musiker der Band. Genau das, was für mich Morcheeba gerade musikalisch sehr speziell macht, ist das
Einsetzen des DJs als Musiker, und nicht wie bei den meisten Hip-Hop-Acts, deren Turntable Heroes nur ein reines, zu lautes und ideenloses rumgescratche an den Tag legen. Ein Ersatz stand wohl hinter den MK2, hielt sich jedoch stark zurück, vielleicht der Grund, warum die Fans auf ein zwei Klassiker verzichten mussten. Aber beklagen konnte man sich wahrlich nicht, The Sea, Trigger Hippie, Everybody Loves A Loser (Hörprobe), Be Yourself, alles war dabei. Nach rund 90 Minuten war dann mit Rome Wasn't Build In A Day (Hörprobe) Schluss,und einmal mehr hinterliessen sie nur zufriedene Fans.

Die Ausnahme bestätigt die Regel, Morcheeba bleiben mehr als nur hörenswert, sind zeitlos. Alte Sounds verpackt in modernem Gewand, seit jeher die Regel bei dieser Band, und in der weiten Welt der unzähligen Hitfabrikanten eine Ausnahme.
fuedlibuerger

Linktipps:
Morcheeba in der Musikdatenbank
Offizielle Seite
Live at Sunset

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