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MIREILLE MATHIEU IN DER ARÉNA DE GENÈVE – SAMSTAG 3. DEZEMBER 2005

Im Rahmen der Jubiläumstournee aus Anlass des 40. Jahrestags ihrer erstmaligen Bühnenkontaktnahme machte die legendäre Ikone des frankophonen Pop-Chansons auch Station in der Aréna de Genève. Der einzige Konzertauftritt des „Spatzen von Avignon“ auf Schweizer Territorium lockte neben dem lokalen Romandie-Publikum eine stattliche Anzahl Deutschschweizer Enthusiasten - darunter die beiden hitparade.ch-Berichterstatter - in die Rhône-Stadt.

Begleitet wurde die überraschend klein gewachsene Südfranzösin von einem 14-köpfigen Orchester unter der Leitung des bekannten französischen Arrangeurs Jean Claudric. Dass die Bässe live gezupft und die Violinen live touchiert wurden, wirkte sympathisch-authentisch. Im Speziellen zu erwähnen ist die vorzügliche Leistung des Schlagzeugers: Statt es darauf anzulegen, Mireilles Soundgewand in Form zeitgemässer Disco-Beats zu renovieren, rhythmisierte er die Schlager in bodenständiger 70er-Jahre-Tradition mit gekonnt kontrollierter Wucht.

Optisch wirkte die 59jährige Mireille Mathieu nach wie vor erstaunlich unvergilbt und frisch. Bereits die ersten Takte ihres Initialhits „Mon crédo“ begeisterten das sich mehrheitlich in ihrer Altersklasse befindende Publikum.
Obwohl an diesem Abend ihre deutschsprachigen Erfolge „Hinter den Kulissen von Paris“ oder „Der Pariser Tango“ fehlten, wurde sie ihrer germanistisch geprägten Schaffensphase gerecht. Denn sie griff auf französische Interpretationen diverser Christian-Bruhn-Hits wie „Santa Maria“ oder „Acropolis adieu“ zurück. Besagte deutsche Kompositionen waren aufgrund ihrer kalkulierteren, über eine dezente Anbiederungstendenz verfügenden Machart relativ schnell zu identifizieren.
Unter der engagierten Mitwirkung des Saalpublikums stimmte die Sängerin gegen den Schluss des Konzerts auch „Mille colombes“ an; einen Titel, der sicherlich als Highlight ihrer Bruhnschen Schaffensperiode bezeichnet werden kann.

Zu behaupten, Mireille hätte sich an diesem Abend auf die Rückbesinnung auf alte Hits beschränkt, würde dem Anlass nicht gerecht. So präsentierte die Sängerin auch fünf eher unbekannte Beiträge ihres aktuellen Albums, das auf den charismatischen Titel „Mireille Mathieu“ hört. Spezielle Erwähnung gebührt unter den neuen Titeln der Francis-Lai-Komposition „Un peu d’espérance“, welche durch das orchestrale Live-Arrangement an hoffnungsvoller Überzeugungskraft gewann.

Während die Sängerin den mehrheitlich balladesken Coverversionen ihres Schaffens (…französische Adaptionen von „You Don’t Bring Me Flowers“, Woman in Love“ und „The Last Waltz“…) breiten Raum einräumte, wartete das Publikum vergeblich auf eigenständigere Gassenhauser wie „Un million d’enfants“ oder das grossartige „Made In France“. Diskutabel ist auch, ob Mireilles Demonstration ihrer Sprachfähigkeit in Form eines Traditional-Medleys (…unter anderem in polnisch, deutsch und portugiesisch…) als Zugabe dramaturgisch richtig platziert war. Ein besserer Rausschmeisser zum Schluss wäre vermutlich der Übersong „Donne ton coeur, donne ta vie“ (mit dem unvergleichlich kultigen Kastagnetten-„Klack-Klack“) gewesen, auf den die Sängerin zum Bedauern der Anwesenden verzichtete. Stattdessen präsentierte Mireille das ebenfalls der Feder Patricia Carlis entstammende, eine Spur weniger knackige „Pardonne-moi ce caprice d’enfant“. Ein sanftes Retroflair schwebte im Saal, was jedoch die mehrheitlich nostalgisch gesinnten Zuhörer wenig belastete.

Die stimmliche Brillanz der Diva kontrastierte mit der auffallenden Wortkargheit zwischen den Songs. Mehr als ein scheues „Merci“ für die zahlreichen Fan-Blumenspenden, sowie für eine überreichte überdimensionierte Toblerone war nicht zu vernehmen. Ein Zeichen wohl, dass die tonale Dimension der zierlichen Dame näher liegt, als der schlagfertige Spontandialog. Das Publikum nahm ihr diese Konversationsarmut nicht weiter übel, sondern liess sich durch die Aura der vertrauten Harmonien einlullen.

Nach gut zwei Stunden Bühnenpräsenz liess Mme Mathieu ihre Fans im Bewusstsein zurück, einer wohl auf die Zielgerade ihres künstlerischen Wirkens eingebogenen Persönlichkeit der französischen Musikgeschichte begegnet zu sein. Eine Erkenntnis, welche die teilweise beträchtlichen Anmarschrouten der Fans ohne Zweifel rechtfertigte.
goodold70 / staetz

Linktipps:
Zum aktuellen Album "Mireille Mathieu"
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