BON JOVI IM STADE DE SUISSE (31.05.2006)





"Lifere statt lafere"

Höchstens 10 Grad über null, etwas Wind, vielleicht Regen, ... das waren die eher misslichen Voraussetzungen des Abends. 40'000 Zuschauer, Nickelback, Stadionhits am Band, BON JOVI... die besten Bedingungen für einen super Abend im (fast) neuen Stade de Suisse in Bern. Bon Jovi und damit die besseren Vorraussetzungen haben schliesslich gewonnen.


Das Wetter war einem ersten Grossanlass im Schweizer Open-Air-Sommer 2006 (oder besser gesagt Winter?) nicht gerade wohlgesinnt. Winterjacken und sogar Winterstiefel mussten aus dem Keller geholt werden, wollte man nicht gerade nach einer Stunde Konzert frieren...

Der Konzertabend begann bei bewölktem Wetter, während sich Tausende zum Stade de Suisse Wankdorf in Bern aufmachten. Kurz nach 18:30h stand Nickelback rund um Frontmann Chad Kroeger auf der Bühne und spielte sich quer durch ihre bekannten oder weniger bekannten Songs. Dazwischen immer wieder endlos lange Ansagen - nicht bloss einmal wurde uns mitgeteilt, dass man doch bloss 45 Minuten Spielzeit zur Verfügnung habe. Insofern umso unverständlicher für mich, weshalb Kroeger derart viel Zeit mit mehr oder weniger unsinnigem Geplapper verschwendet hat. Stattdessen hätte man locker noch einen Song mehr spielen können - die Frage ist bloss, ob das jemand hätte hören wollen. Ähnlich ungeschickt auch das Stageacting der Band; obwohl doch nicht ganz so unerfahren, verloren sie sich regelrecht auf der viel zu grossen Bühne und ihre Lieder kamen etwas steril und kraftlos rüber! Die monotonen Kompositionen erschwerten mir das Leben zusätzlich: bei einem Song hätte ich schon "How You Remind Me" vermutet, war dann aber etwas anderes. Auch die Balladen waren alle ziemlich ähnlich. Nickelback bereitete das Publikum eher lau auf den Hauptact vor und auch der Himmel fing an zu weinen.

Nach etwa einer halben Stunde Umbaupause stiegen dann die Hauptakteure des Abends auf die Bühne. Jon Bon Jovi, Richie Sambora, Hugh McDonald, Tico Torres, David Bryan sowie ein weiterer Gitarrist und Keyboarder. Nach einem eher ruhigen Song mit Jon auf einer kleinen Zwischenbühne rund um den "Golden Circle" im vorderen Drittel des Publikums, ging es dann mit "You Give Love A Bad Name" richtig los. Ab diesem Song war wirklich Stimmung im ganzen Stadion.

Ganz nach dem Motto "lifere statt lafere" (schweizerdeutsch für: Leistung zeigen anstatt nur darüber zu reden) zeigte die ganze Band ohne grosse Unterbrüche was sie draufhat. Die erste Stunde war mehr dem aktuellen Album "Have A Nice Day" gewidmet, dazwischen gespickt mit einzelnen Topsongs wie "Runaway" oder "It's My Life", die natürlich voll abgingen. Die Setlist hielt aber auch einige Überraschungen bereit. Für mich sicher am bewegensten war der heimliche Hit ihrer "Slippery When Wet" Scheibe aus 1986; "I'd Die For You"! Allgemein wurde genau diese Scheibe an diesem Abend grosszügig berücksichtigt und die Songs trotzten den sibirischen Umständen; auch "Wild In The Streets", "Raise Your Hands" und natürlich der Killersong schlechthin "Living On A Prayer" wurden neben dem bereits erwähnten "You Give Love A Bad Name" dem gut durchmischten Publikum um die Ohren gepfeffert! Zum Glück verdunkelte sich der Himmel nur dadurch, dass die Sonne doch langsam unterging. Daher kam auch die spektakuläre Lichtshow erst nach Einbruch der Dunkelheit so richtig zur Geltung.
Was dann folgte, kann bedenklos als einer der absoluten Höhepunkte des Konzertes in Bern bezeichnet werden: Richie Sambora trat zum Mikro und sang mit seiner aussagekräftigen, bluesingen Stimme die traumhafte schöne Ballade "I'll Be There For You"! Dazu die wunderschönen Lichter - das war schon sehr bewegend, was auch an einigen feuchten Augen unschwer zu erkennen war.

Ein grosser Bildschirm in der Mitte zeigte die Band live in Nahaufnahme, und man bekam auch weiter hinten noch sehr gut mit, wie es vorne auf der Bühne abging. Rund um den Bildschirm war eine weitere Konstruktion aufgebaut, die eigentlich nur aus vielen einzelnen Punkten zusammengesetzt war. Auf diesem Riesenbildschirm konnten aber Stimmungsbilder, Live-Bilder, schlicht alles Mögliche gezeigt werden und es sah fantastisch aus. Darüber hingen dann die eigentlichen Beleuchtungslampen und natürlich auch die Boxen.

Der (oder vor allem DIE) eine oder andere wird sich vielleicht daran gestört haben, dass die Ballade "Bed Of Roses" nicht den Weg auf die Setlist fand - mir persönlich war es recht, dass die von der Presse oft zu Unrecht als Balladenband verschriene Gruppe aus New Jersey an diesem Abend mehrheitlich auf Rock gesetzt hat. "Bad Medicine" mit integriertem "Shout" war da ein gnadenloses Brett. Aber auch "Born To Be My Baby" und "In These Arms" - beide im Midtempo-Bereich angesiedelt - schossen saftig und satt aus den Boxen. Das Publikum ging - für Schweizerverhältnisse - relativ gut mit, war aber schon etwas zurückhaltender als beispielsweise im Sommer 2003 in Zürich. Damals eine laue Sommernacht, diesmal war der Schneeanzug-Groove doch schon ein kleines Hindernis!

Der Stimmung tat dies jedoch keinen Abbruch und so endete nach rund 140 Minuten mit der Zugabe "Keep The Faith", während der jeder nochmals das letzte aus sich rausgeholt hat, das Konzert. Die Jungs sind immer noch sehr fit und Jon sah natürlich wie immer blendend gut aus. Und trotz seiner Erkältung kämpfte er sich tapfer durch die Songs und kränkelte zu keiner Sekunde. Einzig der etwas abrupte Abschluss könnte darauf hinweisen, dass er seine Stimme etwas schonen musste. Ich empfand das als einen gelungenern Abend im "Stade de Suisse" zu Bern und man kann sich auf den nächsten Besuch von Bon Jovi freuen - so wie ich mich anschliessend auf einen wärmenden Kaffee.
Claude

Linktipps:
Discographie von Bon Jovi
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