SHAKIRA – HALLENSTADION ZÜRICH – 22. FEBRUAR 2007, 20.00 UHR

Shakira – Superstar und Mädchen von nebenan

Shakira hat sich längst vom Latino-Girlie zum internationalen Superstar gemausert. Ihre Einzigartigkeit beruhrt auf der Kombination verschiedenster Kunstelemente. Die Sängerin demonstriert einmal mehr im Zürcher Hallenstadion wie kolumbianische Panflöten mit wilden Gitarrenriffs und orientalischem Bauchtanz zu einem sinnlichen Höhenflug verbunden werden können.


Das Leben in Barranquilla, einer kolumbianischen Hafenstadt, unterscheidet sich nicht von demjenigen in anderen südamerikanischen Provinzmetropolen: Die Landbevölkerung flüchtet in die Städte, die Armut folgt ihnen bis in die engen Gassen der Elendsviertel, dorthin, wo Hoffnung und Illusion einerlei sind, wo der Kampf ums Überleben täglich neu beginnt. Barranquilla, eine Stadt wie jede andere, doch darf sie zwei ganz grosse Persönlichkeiten ihre eigenen Kinder nennen: Der Nobelpreisträger für Literatur und bereits zu Lebzeiten als Klassiker zu bezeichnende Gabriel Garcia Marquez verbrachte hier einen grossen Teil seiner Kindheit, und Shakira Isabel Mebarak Ripoll, Tochter eines libanesischen Juweliers und einer kolumbianischen Mutter mit italienischen Wurzeln lebte hier die ersten siebzehn Jahre ihres Lebens, bevor sie internationale Karriere als Sängerin unter dem Namen Shakira begann.
„Shakiras Musik hat eine persönliche Note, die keiner anderen gleicht. Niemand kann singen und tanzen wie sie, in jedem Alter, mit solcher unschuldigen Sinnlichkeit, die ihre eigene Erfindung zu sein scheint“ schreibt Gabriel Garcia Marquez über das einstige Mädchen von nebenan, und trifft mit der Aussage genau ins Schwarze. Shakira ist nicht Beyoncé, sie ist nicht Christina Aguilera, Britney Spears oder Jennifer Lopez, sondern eben Shakira. Die Sängerin mit der unvergleichlich kraftvollen Stimme, diejenige, die den Hüftschwung und Bauchtanz massentauglich machte, die Musikerin, die südamerikanische Cumbia mit arabischen Einflüssen verbindet und seit Jahren die grössten Stadien und Hallen der Welt gleich mehrere Nächte hintereinander füllt – so auch in Zürich, am 22. und 23. Februar 2007 vor ausverkauften Rängen im Hallenstadion.
Das Publikum wartet lange, skandiert bereits seit einer halben Stunde Shakira-Shakira-Rufe in unisono bis das Hallenlicht erlischt. „Teenage Wasteland“ der Rock-Götter The Who donnert aus den Boxen, ab Band, in voller Länge, die Originalversion (zur Zeit auch Titelmelodie von CSI New York) und bereits ist klar: Heute Abend wird gerockt, wir sind hier um zu Tanzen, um die Mähnen zu schwingen. Die Band betritt die Bühne in Dunkelheit, ein Scheinwerfer geht an, blendet die Zuschauer, und zu exotisch anmutenden arabischen Zitherklängen werden langsam vage die Umrisse Shakiras im Gegenlicht sichtbar. Mit dem Opener „Estoy Aqui“ (Ich bin da) markiert die Kolumbianerin gleich Präsenz und stellt klar, um was es heute Abend geht. Wegen Shakira sind wir hier. Wegen nichts anderem.
Eine schlichte Bühne mit grossen leeren Flächen und perfekt inszenierter Beleuchtung sowie das Wegfallen der verschnörkelten Oppulenz vergangener Tourneen stellen sicher, dass sich niemand ablenken lässt von Shakira. Oder Shakiras Bauch. Oder Shakiras Bauchnabel.
Der Nabel, um den sich die Welt des Hallenstadions heute Abend dreht, ist immer gut sichtbar, ob bei aktuellen Hits wie „La Tortura“, dem in intimer Unplugged-Manier dargebotenen „Illegal“ oder „Objection“. Nicht mal bei „Underneath Your Clothes“ verzichtet Shakira auf die Präsentation ihres wichtigsten Territoriums.
Die Energie der Sängerin begeistert. Ihr Lächeln steckt an, und auch wenn einzelne Songs nicht live vorgetragen werden (kurzfristige Absagen von Konzerten in Deutschland anfangs Februar dieses Jahres aufgrund einer Bronchitis der Künstlerin schienen zu dieser Entscheidung geführt zu haben), wohl niemand wird enttäuscht heute Abend.
„Whenever Wherever“, jener Song, der Shakira international zum ganz grossen Erfolg verholfen hat, beginnt in ungewohnt orientalischer Manier. Doch bald findet die Interpretation den Weg zurück zu den hergebrachten Harmonien und manch eine Zuschauerin im Stadion versucht in der Anonymität der Masse den berüchtigten Hüftschwung zu imitieren – hoffnungslos vergebens.
Nach 70 Minuten ist bereits Schluss, vorerst. Doch eine Zugabe muss doch drinliegen. Zwei. „Ojos Así“ und Multi-Kulti-Bollywood-Kracher „Hips Don’t Lie“ zeigen nochmals das ganze tänzerische, musikalische und gesangliche Spektrum von Shakira auf. Und ihrem Bauch. Und ihrem Bauchnabel.
swissflake


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