FEEDER - ROHSTOFFLAGER ZÜRICH

Feeder (Rohstofflager Zürich - Samstag 5. März 2005)

Auffallend in der Feeder Biographie ist ihr sprichwörtlich britisches Understatement. Keine Exzesse, Skandale oder andere medial auszuschlachtenden Fehltritte lassen sich ausmachen. Fern sind Egos die sich selbstinszenierend, um Aufmerksamkeit haschend, ins Lampenlicht setzen. Eine Feststellung, die auch für viele andere Bands zutrifft, aber Bands wie Feeder leider, zu Unrecht, oft unbemerkt lässt, ihnen die Beachtung und den verdienten Respekt nicht gebührend erwiesen.

1992 in den U.K. durch Grant Nicholas (vox/guitar), Jon Lee (drums) gegründet und mit Taka Hirose (bass) komplettiert, ist Feeder, trotz erfolgreichen Single- und Album-Releases, bis jetzt ihrem Indie-Label Echo treu geblieben. Musikalisch sprang Feeder nicht auf den viel bereisten Brit-Pop Pfad. Ihre Einflüsse sind vorwiegend im klassischen Rock, Punk und den Beatles zu suchen. Daraus schusterten sie ihren mit fetten Gitarrenriffs gepfefferten, melodiösen Indie-Rock. Der Erstling "Polythene" und das Nachfolgealbum "Yesterday Went Too Soon" enthalten eine Menge an straight-forward Rock-Punk Songs, verschmolzen mit eingängigen Melodien und Harmonien, wie wir sie in guten Pop Songs kennen. Mastermind Grant Nicholas zeigt hier seine Liebe für in fette Riffs verpackte Ohrwürmer.

Die Hitsingle "Buck Rogers" brachte Feeder im 2001 den ersten richtigen "öffentlichkeitswirksamen" Erfolg mit Platz 5 in den U.K. Single Charts. Dieser Hit, das nun eher poppige Album "Echo Park", eingehendes touren, Auftritte an grossen Festivals, festigten den guten Ruf Feeder's in der Musiklandschaft. Alles schien auf eine tolle Zukunft hinzuweisen.

Der tragische Freitod von Jon Lee im Jahr 2002 stellte dann alles in Frage. Wie verkraftet eine Band ein solch einschneidendes Erlebnis? Auflösung, Aufgabe oder allen Widrigkeiten trotzen und weitermachen? Welche Option auch gewählt wird, nichts bleibt wie zuvor.

Grant und Taka entschieden sich sehr rasch nicht aufzugeben und holten Mark Richardson zur Aufnahme des nächsten Albums "Comfort In Sound" ins Boot. Die Verarbeitung des tragischen Ereignis schlug sich hörbar nieder. Die Songs kommen epischer, melancholischer und eindringlicher daher. Die Trauerverarbeitung weckt ungemeine Energien, die Emotionen fliessen unpathetisch, grosse Songs entstehen. Feeder hat musikalisch ungemein grossen Schritt vorwärts gemacht.

Das neue Album "Pushing The Senses" knüpft daran an. Die grossen Themen Liebe, Verlust und Hoffnung dominieren. Die epische Breite, die nachdenklichen Balladen, langsamere Songs dominieren. Weniger der harte Rock dominiert, die Lieder tendieren mehr in die Richtung Soft-Rock, eine gewisse Nähe zu Coldplay, Travis oder Doves ist zu erkennen. Wo "Comfort in Sound" noch auf die Tragodie fixiert ist, blicken Feeder mit diesem Album nach vorne. Eine positive Energie steckt im ganzen Album, das Wetter hellt sich auf, der "Lust for Life", der Vorwärtsdrang ist allgegenwärtig.

Im gut gefüllten Rohstofflager betreten Feeder, ergänzt mit dem Gitaristen Dean, die Bühne. Bereits der Opener "Feeling A Moment" vertreibt Zweifel, dass der Abend zu einer luschen Angelegenheit werden könnte - es rockt! Feeder spielen fast alle Songs des neuen Albums, abgerundet mit starken Stücken des Backkatalogs. Die Mischung stimmt und man merkt, dass Feeder's Arbeit mit den Jahren immer besser geworden ist. Die Lieder des aktuellen Albums stellen die Vorgänger leicht in den Schatten, weil sie mehr Tiefe und Kraft besitzen. "Feeling A Moment", "Pushing The Senses" oder "Tumble And Fall" sind sackstarke Rocksongs und es beschleicht mich leichte Wehmut, dass diese Band nicht vor einem grösserem Schweizer Publikum auftritt. Feeder spielen nämlich nicht 1 zu 1 den Albumsound, sondern legen, was für eine gute Liveband essentiell ist, noch eine Schippe drauf. Sie spielen kraft- und druckvoll. Stark ist das Zusammenspiel, weil nicht einfach auf Teufel komm raus "rausgehämmert" wird, statt dessen Platz bleibt für leise Töne, Passagen fragmentiert werden, Spannungsbögen gekonnt aufgebaut werden. Langsamere Stücke, wie "Dove Grey Sands", verweilen gleichfalls zauberhaft im Raum - auch dank den guten gesanglichen Performance von Grant. Zu betonen ist das spitzen Schlagzeugspiel von Mark. Ein wahrer Rockdrummer, der mit Taka ein nicht zu erschütterndes Fundament für seine Mitspieler bereitet. Hier war eine echte, spielfreudige Band am Werk - mit qualitativ hochstehendem Songmaterial.

Die Audience ist begeistert und goutiert Feeder's Auftritt mit ausgiebigen Applaus. Wir würden uns freuen, sie an einen Sommer-Festival wieder hören zu können.
Matt

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